Gebäudewirtschaft

Mieterstrom umsetzen

Teil 3: technische Voraussetzungen, Ablauf und typische Stolpersteine

Worauf es bei Technik, Organisation und Betrieb wirklich ankommt.

Sind Rahmenbedingungen und Wirtschaftlichkeit geklärt, folgt die Umsetzung. In diesem Teil geht es um die technischen Grundlagen, den Projektablauf und die Punkte, an denen Mieterstrom im Alltag häufig scheitert.

Technische Voraussetzungen und Umsetzung in der Praxis

Bevor Sie mit Mieterstrom starten können, sind einige technische Voraussetzungen zu erfüllen und praktische Fragen zu klären:

PV-Anlage und optionaler Speicher

Grundvoraussetzung ist natürlich eine geeignete Photovoltaikanlage auf dem Dach oder auf dem Grundstück des Gebäudes. Dachfläche, Statik und Ausrichtung müssen passen. Ein Batteriespeicher kann sinnvoll sein, um überschüssigen Strom zwischenzuspeichern und abends zu nutzen. Pflicht ist er nicht, ob er sich lohnt, ist eine reine Wirtschaftlichkeitsfrage.

Zähler und Messkonzept

Für Mieterstrom braucht es ein spezielles Messkonzept im Gebäude. Es muss für jede Mietpartei erfasst werden, wie viel PV-Strom genutzt wird und wie viel Strom aus dem Netz kommt. Die Abrechnung erfolgt getrennt vom klassischen Nebenkostenabrechnungssystem.

Mit der schrittweisen Einführung von Smart Metern seit 2025 wird das deutlich einfacher. Intelligente Zähler messen Verbrauch und Einspeisung viertelstundengenau und automatisch und ermöglichen eine saubere, digitale Abrechnung. 

Einbau und Betrieb übernimmt der zuständige Messstellenbetreiber. Die Kosten für Smart Meter sind gedeckelt (bei 7–15 kW Anlagengröße z. B. max. 20 € jährlich). Vermieter sollten frühzeitig mit dem Messstellenbetreiber klären, welches Zählkonzept umgesetzt wird. 

Wichtig: Die Abrechnung des Mieterstroms muss separat erfolgen und darf nicht über die normale Nebenkostenabrechnung der Miete laufen.

Netzanschluss und Reststrom

Auch beim Mieterstrom bleibt der Netzanschluss bestehen. Überschüssiger Strom wird ins Netz eingespeist, fehlender Strom automatisch aus dem Netz ergänzt. Als Stromlieferant organisieren Sie dafür einen passenden Liefervertrag oder lassen den Reststrom über einen Dienstleister beziehen. Für Mieter bleibt die Versorgung durchgehend gesichert, bei Vollversorgung brauchen sie keinen zweiten Stromvertrag.

Installation, Betrieb und Abrechnung

Die Anlage sollte von einem zertifizierten Fachbetrieb installiert werden. Betrieb, Wartung und Monitoring müssen dauerhaft sichergestellt sein, damit die Anlage zuverlässig Strom liefert. Bei größeren Wohnanlagen ist ein professionelles Monitoring-System ratsam, das Ausfälle sofort meldet.  

Viele Vermieter lagern Wartung und Betrieb an Fachpartner aus, insbesondere wenn sie mehrere Anlagen betreiben. Das Mess- und Abrechnungssystem muss ebenfalls betreut werden – entweder intern (z. B. durch die Hausverwaltung) oder via externen Abrechnungsdienstleister, der die Stromlieferabrechnung erstellt und den gesetzlichen Pflichten genügt.

Tipp: Klein anfangen und Partner einbinden. Wenn Sie als Hausverwalter erstmals ein Mieterstromprojekt umsetzen, wählen Sie idealerweise ein pilotfähiges Objekt (ein größeres Mehrfamilienhaus) und ziehen Sie erfahrene Partner hinzu – etwa Energiedienstleister für Messstellenbetrieb und Abrechnung. 

So können Sie das Modell testen, ohne direkt eine vollumfängliche Energielieferantenrolle komplett allein stemmen zu müssen.

Schritt für Schritt: So starten Sie ein Mieterstromprojekt

Sie überlegen, PV-Strom an Ihre Mieter zu verkaufen? Damit das Mieterstromvorhaben gelingt, empfiehlt sich ein planvolles Vorgehen.

1. Machbarkeit prüfen

Am Anfang steht die Frage, ob das Gebäude geeignet ist. Dachfläche, Statik und Ausrichtung müssen zur PV-Anlage passen. Gleichzeitig lohnt ein Blick auf den Stromverbrauch der Wohnungen. Je mehr Verbrauch tagsüber anfällt und je mehr Wohneinheiten vorhanden sind, desto besser lässt sich der Solarstrom nutzen. Ab etwa 8 bis 10 Wohnungen wird Mieterstrom in der Regel wirtschaftlich interessant.

2. Modell festlegen

Im nächsten Schritt entscheiden Sie sich für ein Mieterstrommodell. Wollen Sie selbst Stromlieferant sein oder Aufgaben auslagern. Welche Rolle spielt Förderung. Und wie viel Aufwand ist intern leistbar. Die Wahl des Modells bestimmt später Abrechnung, Verträge und Organisation.

3. Rechtlich und finanziell aufsetzen

Jetzt werden die Grundlagen geschaffen. Die PV-Anlage wird geplant, Kosten kalkuliert und Förderfähigkeit geprüft. Dazu gehören auch steuerliche Fragen, die Anmeldung der Anlage und die Klärung, wie der Reststrom bezogen wird. Je sauber dieser Schritt vorbereitet ist, desto reibungsloser läuft der Betrieb.

4. Technik umsetzen

Die Installation erfolgt über einen Fachbetrieb. Wichtig ist, dass das Messkonzept frühzeitig mit dem Netzbetreiber abgestimmt wird und alle Zähler korrekt eingebunden sind. Die Anlage wird im Marktstammdatenregister erfasst und beim Netzbetreiber gemeldet.

5. Mieter einbinden

Informieren Sie die Mieter frühzeitig über das Angebot. Erklären Sie Nutzen, Preisvorteile und Vertragsbedingungen klar und verständlich. Eine ausreichende Beteiligung ist entscheidend für die Wirtschaftlichkeit. 

Erfahrungen zeigen: Wenn eine kritische Masse an Mietern mitmacht (z. B. >50 % der Wohnfläche), lohnt sich das Modell. Bei sehr geringer Beteiligung kann es schwierig werden, daher ist Transparenz und Überzeugungsarbeit wichtig.

6. Verträge abschließen

Mit den interessierten Mietern werden Stromlieferverträge geschlossen. Diese müssen die gesetzlichen Vorgaben einhalten, insbesondere Preisgrenze und Kündigungsrechte. Parallel werden alle notwendigen Verträge mit Netzbetreiber und gegebenenfalls Stromlieferanten abgeschlossen.

7. Betrieb und Abrechnung sicherstellen

Nach Inbetriebnahme beginnt der laufende Betrieb. Strommengen werden erfasst, Abrechnungen erstellt und Förderungen sowie Einspeisevergütungen korrekt abgerechnet. Das kann intern erfolgen oder über spezialisierte Dienstleister.

8. Monitoring und Feinjustierung

Im Betrieb zeigt sich, wie gut Erzeugung und Verbrauch zusammenpassen. Ziel ist ein möglichst hoher Eigenverbrauch im Gebäude. Auf dieser Basis lassen sich Speicher, Lastverteilung oder weitere Projekte besser planen.

Fazit: Photovoltaik-Strom an Mieter verkaufen – lohnt sich das?

Ja! PV-Strom an Mieter zu verkaufen ist eine hervorragende Möglichkeit, nachhaltige Energie in die Wohnungswirtschaft zu integrieren. Für Vermieter kann sich der Aufwand bezahlt machen: Neben zusätzlichem Einkommen und Förderungen steigert man den Immobilienwert und erfüllt eine Vorbildfunktion in Sachen Klimaschutz. Mieter profitieren von günstigem, grünem Strom direkt aus dem Haus. 

Natürlich will ein Mieterstromprojekt gut geplant sein – rechtliche Spielregeln und technische Voraussetzungen dürfen nicht unterschätzt werden. Doch mit den richtigen Partnern und Konzepten lassen sich diese Hürden meistern. 

Sie möchten selbst Mieterstrom umsetzen oder haben Fragen zur praktischen Umsetzung? Wir unterstützen Sie gerne dabei, das passende Modell für Ihre Liegenschaft zu finden und alle Schritte effizient umzusetzen. 

Kontaktieren Sie uns für ein kostenfreies Erstgespräch – gemeinsam machen wir Ihr Gebäude fit für die Zukunft der Energieversorgung und sorgen dafür, dass auch Sie und Ihre Mieter schon bald von günstigem Solarstrom vom eigenen Dach profitieren!

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FAQ

Wer rechnet den Strom ab?

Die Abrechnung erfolgt getrennt von der Nebenkostenabrechnung. Sie kann intern organisiert oder an spezialisierte Dienstleister ausgelagert werden.

Was passiert, wenn der PV-Strom nicht ausreicht?

Fehlender Strom wird automatisch aus dem öffentlichen Netz bezogen. Die Versorgung der Mieter ist jederzeit gesichert.

Brauche ich für Mieterstrom Smart Meter?

Ein geeignetes Messkonzept ist Pflicht. Mit der schrittweisen Einführung von Smart Metern wird die Messung und Abrechnung deutlich einfacher und digitaler.

Wie hoch ist der laufende Aufwand im Betrieb?

Der Aufwand hängt vom gewählten Modell ab. Bei ausgelagerten Lösungen wie Contracting oder externer Abrechnung bleibt der operative Aufwand überschaubar.

10.02.2026
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