Gebäudewirtschaft

Serielles Sanieren

Förderung, Kosten und Ablauf im Überblick

erstellt am:
29.9.2026

Seit dem 24. September 2026 gilt eine erweiterte Förderung für das serielle Sanieren. Der sogenannte SerSan-Bonus steht erstmals auch Eigentümern von Nichtwohngebäuden offen, und bei Wohngebäuden kommt ein neuer Bonus für die Effizienzhaus-Stufe 70 dazu.¹ Vorhaben, die sich vor wenigen Wochen noch nicht gerechnet haben, kommen jetzt in den wirtschaftlichen Bereich.

Der Zeitpunkt passt zu einer Entwicklung, die seit rund zwei Jahren läuft. Die serielle Sanierung hat die Pilotphase verlassen und wird zum Verfahren für den Bestand. Nach Zahlen des dena-Kompetenzzentrums Serielles Sanieren sind in Deutschland 173 Projekte abgeschlossen und 87 in Umsetzung. Weitere 307 Projekte mit rund 17.000 Wohneinheiten befinden sich in Planung.²

Das Wichtigste in Kürze:

Beim seriellen Sanieren werden Fassaden, Dächer und Haustechnik als vorgefertigte Module im Werk produziert und auf der Baustelle nur noch montiert. Ein digitales 3D-Aufmaß liefert dafür die Maße. Die Bauzeit sinkt von mehreren Monaten auf wenige Wochen, und Ihre Mieter können meist in ihren Wohnungen bleiben.

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Förderung 15 Prozentpunkte Tilgungszuschuss für Effizienzhaus 55 EE/NH und 40 EE/NH, 5 Prozentpunkte für Effizienzhaus 70 EE/NH
Neu seit 24.09.2026 SerSan-Bonus erstmals auch für Nichtwohngebäude (KfW 263)
Bauzeit rund 7 Wochen statt 14, Sanierung im bewohnten Zustand möglich
Voraussetzung mindestens 80 % der Fassadenfläche mit vorgefertigten Elementen, digitales 3D-Aufmaß
Geeignet für Mehrfamilienhäuser und Zeilenbauten der Baujahre 1950 bis 1970, gleichartige Gebäudereihen

Was ist serielles Sanieren?

Serielles Sanieren verlagert den größten Teil der Arbeit von der Baustelle ins Werk. Statt Gerüst, Putzarbeiten und monatelanger Störung im Haus entstehen Bauteile, wie gedämmte Fassadenelemente mit bereits eingebauten Fenstern, Dachelemente mit Photovoltaik oder kompakte Energiemodule für Heizung, Warmwasser und Lüftung vorab in einer Halle.

Der Unterschied zur klassischen Sanierung zeigt sich in der Präzision. Weil die Elemente auf Basis eines digitalen Gebäudemodells gefertigt werden, passen sie beim ersten Anlauf. Witterung, Nachbesserungen und der Mangel an Handwerkern vor Ort spielen eine deutlich kleinere Rolle.

Das Energiesprong-Prinzip

Hinter dem Verfahren steht ein Standard aus den Niederlanden, der in Deutschland von der dena betreut wird.³ Ein Gebäude nach dem NetZero-Standard erzeugt im Jahresmittel so viel erneuerbare Energie, wie es für Heizung, Warmwasser und Haushaltsstrom benötigt. Die Photovoltaik auf dem Dach und die Wärmepumpe im Energiemodul arbeiten dabei als ein System.

Für welche Gebäude sich das Verfahren eignet

Typisch sind drei- bis viergeschossige Zeilenbauten der Baujahre 1950 bis 1970 mit einfacher Gebäudehülle und hohem Verbrauch. Das dena-Kompetenzzentrum schätzt den geeigneten Bestand auf rund 500.000 Gebäude mit etwa 3 Millionen Wohnungen.²

Besonders wirtschaftlich wird es, sobald Sie mehrere baugleiche Gebäude gemeinsam angehen. Die Planung fällt einmal an, die Fertigung profitiert von der Stückzahl.

So läuft eine serielle Sanierung ab

Der Ablauf unterscheidet sich vom ersten Tag an von einer konventionellen Modernisierung. Vier Schritte führen zum fertigen Gebäude.

  1. 3D-Laserscan und Gebäudemodell.
    Ihr Gebäude wird millimetergenau vermessen. Aus den Daten entsteht ein digitales Modell, das als Grundlage für die Fertigung dient.
  2. Vorfertigung im Werk.
    Fassadenelemente, Solardach und Energiemodul werden produziert, während Ihr Gebäude ungestört weiterläuft.
  3. Montage vor Ort.
    Die Elemente kommen per Lkw und werden mit dem Kran gesetzt. Für diesen Schritt bleibt die Baustelle kurz.
  4. Anschluss der Technik.
    Das Energiemodul übernimmt Heizung, Warmwasser, Lüftung und die Steuerung der Photovoltaik.

Für Ihre Mieter ist der dritte Punkt der entscheidende. Die dena hat in ihrer Evaluation vom Oktober 2025 15 Projekte ausgewertet: Die Baustellenzeit sank von 14 auf rund 7 Wochen.⁴ Ein Auszug ist in den meisten Fällen nicht nötig, weil die Arbeiten im bewohnten Zustand stattfinden.²

Was kostet serielles Sanieren?

Belastbare Zahlen liefert die dena-Evaluation: Über die ausgewerteten Projekte hinweg sanken die Kosten um rund ein Drittel. Entscheidend sind Projektgröße und Wiederholung. 86 Prozent der Vorhaben erreichten Effizienzhaus 55, 14 Prozent die Stufe 40.⁴

Rechnen sollten Sie außerdem mit einem Posten, der bei klassischen Sanierungen selten auftaucht: dem Wegfall von Mietausfall. Kurze Bauzeiten bedeuten kurze Einschränkungen und weniger Mietminderungen.

Förderung: Der SerSan-Bonus 2026

Der Bund fördert das serielle Sanieren über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) mit einem eigenen Bonus.¹ Er kommt zusätzlich zur Grundförderung und wird als Tilgungszuschuss gewährt.

Für jede Effizienzstufe gilt seit der Reform im Juli 2026 dieselbe Grundbedingung: Erneuerbare Energien oder Abwärme müssen mindestens 65 Prozent der Wärme- und Kälteversorgung decken. Gasbetriebene Wärmeerzeuger sind von der Förderung ausgeschlossen.⁷

Gebäudetyp Effizienzstufe Bonus Programm
Wohngebäude EH 55 EE/NH und EH 40 EE/NH 15 Prozentpunkte KfW 261
Wohngebäude EH 70 EE/NH (neu) 5 Prozentpunkte KfW 261
Nichtwohngebäude EG 55 EE/NH und EG 40 EE/NH 15 Prozentpunkte KfW 263
Nichtwohngebäude EG 70 EE/NH 5 Prozentpunkte KfW 263


Quellen: KfW-Merkblatt 261 und 263, Stand 09/2026.⁵ ⁶

Wohngebäude

Für Wohngebäude bleibt der Bonus bei 15 Prozentpunkten für die Effizienzhaus-Stufen 55 EE/NH und 40 EE/NH. Neu hinzugekommen ist die Stufe 70 mit 5 Prozentpunkten. Das öffnet die Förderung für Bestände, bei denen die Stufe 55 baulich oder wirtschaftlich nicht erreichbar ist.

Für die Stufe 70 EE ohne Zusatzklasse gibt es seit Juli 2026 keinen Tilgungszuschuss mehr. Der SerSan-Bonus ist damit der einzige Zuschuss, den Sie für diese Stufe überhaupt erhalten.⁵

Die Fachplanung und Baubegleitung durch einen zugelassenen Energieeffizienz-Experten fördert die KfW mit 50 Prozent der Kosten, bei Mehrfamilienhäusern auf bis zu 4.000 Euro je Wohneinheit und höchstens 40.000 Euro.⁵

Neu seit 24. September 2026: Nichtwohngebäude

Bürogebäude, Verwaltungsbauten, Schulen und gewerbliche Immobilien erhalten den SerSan-Bonus erstmals über das Programm KfW 263. Der Förderrahmen liegt bei bis zu 2.000 Euro je Quadratmeter Nettogrundfläche und maximal 10 Millionen Euro je Vorhaben.⁶

Auch hier gilt die 65-Prozent-Regel für erneuerbare Energien. Der Förderrahmen fällt allerdings anders aus als bei Wohngebäuden: bis zu 2.000 Euro je Quadratmeter Nettogrundfläche statt 150.000 Euro je Wohneinheit.⁶ Gasbetriebene Wärmeerzeuger sind von der Förderung ausgeschlossen.

Diese Voraussetzungen müssen Sie erfüllen

Der Bonus ist an technische Anforderungen geknüpft, die Sie vor der Planung kennen sollten:⁷

  • Die Fassadensanierung erfolgt mit seriell vorgefertigten Elementen.
  • Die Tragkonstruktion der Elemente beruht auf einem digitalen 3D-Aufmaß.
  • Mindestens 80 Prozent der Flächen gegen Außenluft werden mit diesen Elementen saniert.
  • Die Elemente werden in Größe und Form unverändert montiert.
  • Die Elementhöhe entspricht mindestens der Raumhöhe, bei Nichtwohngebäuden mindestens 2,5 Metern.
  • Fenster werden bereits werkseitig in die Elemente eingebaut.
  • Ein zugelassener Energieeffizienz-Experte aus der dena-Liste begleitet das Vorhaben.

Der SerSan-Bonus lässt sich mit weiteren Boni kombinieren, etwa der Nachhaltigkeitsklasse oder dem Bonus für besonders schlechte Gebäude. Bei Wohngebäuden sind so bis zu 40 Prozent Tilgungszuschuss erreichbar, begrenzt auf 150.000 Euro je Wohneinheit.⁵

Wie hoch die Gesamtförderung für Ihr Objekt ausfällt, prüfen wir vor dem Antrag, weil bei der Kombination Obergrenzen greifen können.

Serielles Sanieren in der Wohnungswirtschaft

Wohnungsunternehmen stehen vor einer Rechenaufgabe. Die Klimaziele verlangen eine Sanierungsquote von rund 2,5 Prozent, erreicht wird in der Branche meist etwa ein Prozent. Mit einzelnen, individuell geplanten Sanierungen ist der Abstand kaum zu schließen.

Genau hier liegt der Vorteil des seriellen Verfahrens. Sie planen einmal für einen Gebäudetyp und wenden das Ergebnis auf alle baugleichen Häuser an. Planungszeit, Ausschreibung und Abstimmung fallen pro Gebäude deutlich geringer aus.

Die Branche bereitet den nächsten Schritt bereits vor. Der GdW hat im Dezember 2025 das Kick-off für die Rahmenvereinbarung „SerSan 1.0" durchgeführt, gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium, der dena und dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie.⁸ Ziel ist eine europaweite Ausschreibung standardisierter Lösungen, die den Markthochlauf beschleunigt.

Für Ihre Mieter bleibt die Frage der Warmmiete entscheidend. Weil die Gebäude nach der Sanierung einen erheblichen Teil ihrer Energie selbst erzeugen, sinken die Betriebskosten spürbar. Wie viel davon die Modernisierungsumlage ausgleicht, hängt vom einzelnen Projekt ab und sollte vor der Entscheidung berechnet werden.

Serielles Sanieren für Nichtwohngebäude

Bei gewerblichen Immobilien zählt jeder Tag Stillstand. Eine Bürofläche, die acht Monate lang eingerüstet ist, verliert an Attraktivität, und Nachverhandlungen bei Mietverträgen folgen häufig. Die kurze Montagezeit wirkt deshalb direkt auf Ihre Rendite.

Dazu kommt der regulatorische Druck. Anforderungen an die Energieeffizienz von Gewerbeimmobilien steigen, und Mieter mit eigenen Nachhaltigkeitszielen fragen zunehmend nach Verbrauchsdaten. Ein saniertes Gebäude mit belegbaren Kennwerten lässt sich besser vermieten als ein unsanierter Bestand.

Mit dem Förderrahmen von bis zu 2.000 Euro je Quadratmeter Nettogrundfläche und 50 Prozent Zuschuss zur Fachplanung verschiebt sich die Wirtschaftlichkeitsrechnung deutlich. Ungenutzte Fördermittel sind in diesem Segment der häufigste Grund, warum Vorhaben schlechter abschneiden als möglich.

Was serielles Sanieren für Hausverwaltungen bedeutet

Für einzelne Wohnungseigentümergemeinschaften ist das Verfahren heute selten die erste Wahl. Die Wirtschaftlichkeit entsteht über Stückzahlen, und ein einzelnes Mehrfamilienhaus erreicht sie nur bei günstiger Geometrie.

Sinnvoll wird es, sobald Sie mehrere vergleichbare Objekte im Portfolio betreuen. Ein Sanierungsfahrplan klärt vorab, welche Gebäude überhaupt in Frage kommen, und liefert Ihnen zugleich eine belastbare Grundlage für die Eigentümerversammlung. Diese Unterlage nimmt Ihnen einen Großteil der Diskussion ab, weil Kosten, Förderung und Einsparung schwarz auf weiß vorliegen.

Grenzen des Verfahrens

Nicht jedes Gebäude passt. Verwinkelte Grundrisse, vorspringende Balkone und stark gegliederte Fassaden erhöhen den Aufwand für die Vorfertigung und machen den Kostenvorteil zunichte. Denkmalgeschützte Objekte scheiden in der Regel aus, weil die Fassade erhalten bleiben muss.

Auch der Markt setzt Grenzen. Der Energiesprong-Produktkatalog listet 15 Unternehmen mit standardisierten Fassadensystemen.⁴ Die Auswahl an Anbietern, die Planung, Fertigung und Montage aus einer Hand abdecken, ist überschaubar, und die Vorlaufzeiten sind entsprechend.
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Quellen

  1. KfW: Serielles Sanieren – der neue Bonus für Fassaden
  2. dena-Kompetenzzentrum Serielles Sanieren: Häufige Fragen und Antworten, Stand Q2/2026
  3. Energiesprong Deutschland: Serielles Sanieren nach dem Energiesprong-Prinzip
  4. dena: Serielle Sanierungen: Kosten sinken um ein Drittel, Tempo verdoppelt, 23.10.2025
  5. KfW: Merkblatt Kredit Nr. 261 – BEG Wohngebäude, Stand 09/2026 (PDF)
  6. KfW: Merkblatt Kredit Nr. 263 – BEG Nichtwohngebäude, Stand 09/2026 (PDF)
  7. KfW: Infoblatt „Förderfähige Maßnahmen", Version 11.0 (09/2026, PDF)
  8. GdW: Kick-off für neue Rahmenvereinbarung zum seriellen Sanieren

Ihr nächster Schritt

Ob Ihr Gebäude die 80-Prozent-Regel erfüllt und welche Effizienzstufe realistisch erreichbar ist, klärt eine Vorprüfung in wenigen Tagen. Als zertifizierte Energieeffizienz-Experten übernehmen wir die Beratung, die Förderanträge und die Baubegleitung.

Sprechen Sie uns an, bevor Sie Aufträge vergeben. Der Antrag muss vor Beginn der Maßnahme gestellt sein, sonst entfällt die Förderung.

Ist Ihr Gebäude für das serielle Sanieren geeignet?

Gerne klären wir, ob Ihr Objekt die Förderkriterien erfüllt und welche Effizienzstufe erreichbar ist. Vereinbaren Sie jetzt ein kostenfreies Erstgespräch.

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FAQ

Was ist serielles Sanieren?

Beim seriellen Sanieren werden Fassaden-, Dach- und Technikmodule im Werk vorgefertigt und auf der Baustelle montiert. Grundlage ist ein digitales 3D-Aufmaß des Gebäudes. Das Verfahren verkürzt die Bauzeit erheblich und erreicht hohe Effizienzstandards.

Wie hoch ist der SerSan-Bonus 2026?

Die KfW gewährt 15 Prozentpunkte Tilgungszuschuss für die Stufen Effizienzhaus 55 EE/NH und 40 EE/NH sowie 5 Prozentpunkte für die Stufe 70 EE/NH. Der Bonus kommt zusätzlich zur Grundförderung der Bundesförderung für effiziente Gebäude.

Gilt der Bonus auch für Nichtwohngebäude?

Ja, seit dem 24. September 2026. Anträge laufen über das Programm KfW 263 mit einem Förderrahmen von bis zu 2.000 Euro je Quadratmeter Nettogrundfläche und maximal 10 Millionen Euro je Vorhaben.

Wie lange dauert eine serielle Sanierung?

Die Montage vor Ort dauert nach aktuellen dena-Auswertungen rund 7 Wochen.⁴ Planung, Aufmaß und Vorfertigung laufen davor und stören den Betrieb im Gebäude nicht.

Was kostet serielles Sanieren pro Quadratmeter?

Die Kosten hängen von Gebäudetyp und Projektgröße ab. Die dena-Evaluation zeigt einen Rückgang um rund ein Drittel, je größer das Projekt und je häufiger sich ein Gebäudetyp wiederholt.

Können Mieter während der Sanierung in der Wohnung bleiben?

In den meisten Projekten ja. Die Arbeiten finden überwiegend außen statt, und der Anschluss des Energiemoduls beansprucht die Wohnung nur kurz.

Welche Gebäude eignen sich nicht?

Denkmalgeschützte Gebäude, stark gegliederte Fassaden und Objekte mit verwinkelter Geometrie. Je einfacher die Kubatur und je größer die Zahl baugleicher Gebäude, desto wirtschaftlicher arbeitet das Verfahren.

Zuletzt aktualisiert:
28.09.2026

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